Über den diagnostischen Wert der Pars petrosa ossis temporalis für die Geschlechtsbestimmung
Der Untersuchung lagen 111 isolierte, geschlechtsbekannte menschliche Felsenbeine zugrunde. Je 47 männliche und weibliche Stücke standen für Diskriminanzanalysen, eine Bestimmung des Mineralgehaltes sowie für Schrumpfungsberechnungen zur Verfügung. Die verbleibenden 17 Felsenbeine dienten Untersuchungen zum Schrumpfungsverhalten unter Einwirkung hoher Temperaturen. Diskriminanzfunktionen wurden an unverbrannten Knochen und experimentell gewonnenen Leichenbränden erstellt. Sie konnten die Existenz eines metrisch erfaßbaren Geschlechtsdimorphismus biostatistisch untermauern. Die Bestimmungssicherheiten übertreffen mit 67,02—76,60 % deutlich die Aussagemöglichkeiten einer morphognostischen Beurteilung der Pars petrosa. Das Felsenbein kann somit als zusätzliches Kriterium für die Geschlechtsbestimmung herangezogen werden. Der Geschlechtsunterschied wurde zurückgeführt auf allometrische Größenverhältnisse der Schädelbasis. Da diesem Merkmal weltweit bei Männern höhere Werte zukommen, werden die Diskriminanzfunktionen als allgemeingültige Referenzformeln bewertet. Mineralgehalt und Schrumpfung zeigten übereinstimmend keine signifikanten Differenzen zwischen den Geschlechtern. Dieser Befund kann aus den speziellen ontogenetischen und histologischen Verhältnissen im Felsenbein erklärt werden
Herunterladbarer Aufsatz, 1983
Zeitschrift für Morphologie und Anthropologie, 74, 19831028, 129
1983