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Doppelleben Roman

Der Roman nimmt uns mit zu Jules und Edmond de Goncourt, die alles teilten: das Haus, die Gedanken, die Arbeit, die Geliebte. Zu zweit gingen sie zum Treffen mit Flaubert, Zola und anderen Künstlern ins Palais der Cousine des Kaisers, in Ausstellungen und zu Restaurantbesuchen mit Freunden und Bekannten. Und danach lästerten sie ab über alle, die sie getroffen hatten, im geheimen Tagebuch, das sie gemeinsam führten. Berühmt-berüchtigt waren sie für ihren Blick, dem angeblich nichts entging, und ihre spitze Feder, die alles notierte. Bis Jules unheilbar erkrankte ...Und der Roman nimmt uns mit in die Gegenwelt: zu Rose, ihrer Haushälterin, die zum Hausstand gehört wie ein Möbelstück. Die unbemerkt von den Brüdern existenzielle Dramen durchlebt, sich hoffnungslos in den Falschen verliebt und von ihm schamlos ausgenutzt wird, die ein Kind austrägt, ohne dass die Brüder es bemerken, es gebiert, liebt und später auch verliert; die Trinkerin wird und ihre Dienstherrn hintergeht und bestiehlt, ohne dass diese es merken. Bis sie stirbt und den Brüdern ein Licht aufgeht. "Die Goncourts, die ihre Zeitgenossen mit spitzer Feder sezierten, werden durch dieses Verfahren selber bis ins Innerste ausgeleuchtet; der Klatsch, der Tratsch und das ganze Gedöns der mondänen Gesellschaft, all die Dinge, mit denen man die Brüder gemeinhin verbindet, bleiben hier reine Randerscheinungen. So beschrieben, mag Sulzers «Doppelleben» nach einer verkopften Angelegenheit klingen. Der Roman ist alles andere als das: Aus vermeintlich bekannten Gestalten schafft Alain Claude Sulzer Figuren, die in ihrer Menschlichkeit berühren" (NZZ). Platz 5 der SWR Bestenliste Januar 2023

Print Book, German, 2022
1. Auflage
Galiani Berlin, Köln, 2022