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Sports on Television in the GDR in the 1980s. A Movement between the Political-driven Olympic Boycott 1984 and Growing Popularization

Seit der Durchsetzung des Fernsehens als Massenmedium Mitte der fünfziger Jahre des 20. Jahrhunderts ist die Entwicklung und Geschichte des Sports eng mit diesem Medium verknüpft. Sportliche Großereignisse wie die Olympischen Spiele und die Fußball-WM gehören zu den immer wiederkehrenden Programmhöhepunkten in den Fernsehkanälen vieler Länder. Grundsätzlich machte in diesem Punkt auch die Fernsehanstalt der DDR keine Ausnahme, wie die überlieferten Programmstatistiken und Programmpläne belegen. Doch es ist zu fragen, ob sich in einem sozialistischen Staat wie der DDR, dessen gesamtes Gesellschaftssystem sich an dem Führungsanspruch einer kommunistischen Partei ausrichtete, spezielle Formen der Sportberichterstattung herausgebildet hatten. Bekanntlich stand der DDR-Spitzensport weitgehend im Dienst der Politik. Die Athleten traten bei internationalen Wettkämpfen oftmals als ,,Diplomaten im Trainingsanzug“ auf. Denn bei der engen Anbindung der Medien an die offizielle Staatspolitik sind solche gleichermaßen politischen Einwirkungen auf die Sportberichterstattung gewiss nicht ausgeblieben. Zur Beantwortung dieser Frage werden zwei Wege beschritten. Zuerst soll in einer kurzen Überblicksdarstellung herausgearbeitet werden, welche Entwicklungslinien und Grundtendenzen das Sportfernsehen der DDR insbesondere in den achtziger Jahren bestimmten. Bildete das tatsächliche Sportereignis mit seinen unterhaltenden Komponenten den Schwerpunkt der Berichterstattung oder gab es lediglich politischen Anschauungsunterricht in Sachen Sport? Die Fallanalyse zum Olympiaboykott 1984 hingegen untersucht, inwieweit sich die politischen Entscheidungsprozesse nachzeichnen lassen, die im Anschluss an den Boykottbeschluss durch die Sowjetunion zu einem Verbot der Berichterstattung von den Olympischen Sommerspielen in Los Angeles 1984 im DDR-Fernsehen führten. Umfangreich durchgeführte Erhebungen in den Aktenbeständen der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) und des Staatlichen Komitees Fernsehen sowie die Analyse von Sendemitschnitten des Sportprogramms des DDR-Fernsehen ermöglichen zum ersten Mal einen detaillierten Einblick in die redaktionellen Abläufe und politischen Vorgaben bei der Gestaltung des Sportprogramms im DDR-Fernsehen. Ferner trugen die Interviews mit zahlreichen Zeitzeugen maßgeblich zur Vervollständigung der Erkenntnisse aus der Aktenrecherche und Programmanalyse bei.

Article, 2006