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Konzert C moll für Violine und Oboe, oder für zwei Violinen, mit Klavierbegleitung

Nach Wilhelm Rusts Beispiel herrschte in den Fachkreisen bisher die Meinung, daß die Urform des Bachschen Konzerts für zwei Klaviere in C moll (Gesamtausgabe Bd. 212 No. 1) ein Konzert für zwei Violinen in D moll gewesen sein müsse. So umgeformt von Max Scheider ist denn auch das Stück jüngst auf dem Leipziger Bachfest 1920 aufgeführt worden. Gleichwohl ist damit die Entscheidung in dieser Frage noch nicht gefallen. Angesichts dieser Sachlage erscheint uns auch die Frage der Tonalität in einem anderen Lichte. Mit der Umformung des Klavierkonzerts zum Violindoppelkonzert hätte die Transposition von C moll nach D moll erfolgen müssen; Bachs Beispiel zwang dazu. Der Hinzutritt der Oboe macht jedoch die Transposition entbehrlich; die Tonart C moll ist für sie gerade bequem traktabel. Noch ain andrer Grund spricht mit. Als Konzert für zwei Violinen in D moll wäre das Stück (abgesehen von der melodischen Führung beider Instrumente) ein Zwilling des bekannten D moll-Konzertes (Gesamtausgabe Bd. 211 S. 41) geworden. Das wäre ganz gegen Bachs Schaffensweise in der Zeit, als er solche Kammermusik schrieb; er bevorzugte vielmehr immer wieder neue Problemstellung. Als Konzert für Violine und Oboe in C moll gewinnt das Stück seine volle Selbständigkeit. Dieser Urform des Konzerts zu ihrem Rechte zu verhelfen, war der Hauptzweck der vorliegenden Ausgabe. Nur an zwei Stellen des ersten Satzes, (Seite 3 und Seite 7) mußte dabei in Rücksicht auf den Umfang der Oboe die Oberstimme des zweiten Klavieres in der Oktavlage geändert werden. Die Umschrift der Oboe in eine zweite Violinstimme wird nach dem oben Gesagten nicht mißverstanden werden; sie will lediglich den Bedürfnissen der Hausmusik entgegenkommen, wo nicht allemal eine Oboe zur Hand ist. - Max Seiffert, inside front cover

Downloadable Musical Score, No Linguistic Content, 1920
C.F. Peters Corporation, New York, 1920