Dichterliebe Roman
Für Henry Steiger bedeutet die Wende 1989 nicht nur Befreiung. Der so eigensinnige wie angesehene DDR-Lyriker ist nun ein auf Stipendien angewiesener Hungerkünstler. Ein alter silberner Porsche ist das letzte Relikt der Hoffnung, den Ruhm in die neue Zeit retten zu können. In Wahrheit steckt Henry in einer Lebenskrise. Mit anderen Stipendiaten führt er in einer Künstlerenklave bei billigem Wein lächerliche Kämpfe um die wahre Kunst, buhlt um jeden Rock und trauert seinem alten Status hinterher. In "Dichterliebe" fragt Petra Morsbach ernst und ironisch zugleich nach dem Platz des Künstlers in der Gesellschaft. Dabei gelingt ihr ein überraschend klarer und humorvoller Blick zurück auf eine vermeintlich "gute alte Zeit", als die Welt, auch die der Literatur, noch in Ordnung schien. „Das Ganze spielt Ende der 90er, Ich-Erzähler ist der Lyriker Henry Steiger, der über seinen, wie er meint, erniedrigenden Aufenthalt auf dem westdeutschen Künstlerhof salbadert und in Rückblenden auch die DDR-Literaturszene nicht gut wegkommen lässt. Also nichts da von Verklärung in diesem Roman. Die Westfrau Petra Morsbach steigt hier ein in Männerfantasien, in Dichter-Klischees und DDR-Literaturentwicklungen. Das ist gut und mutig gemacht. Der mit Abstand subtilste und ironischste Ost-West-Roman der Frühjahrssaison 2013, geschrieben von der "Westschnepfe", so hätte es sicher Henry Steiger ausgedrückt, Petra Morsbach“ (kulturradio.de)
Print Book, German, 2013
1. Aufl
Knaus, München, 2013