Der Stillschweiger
Er sieht blendend aus, der geübte Melancholiker, wie ein Schauspieler, den das Schicksal nicht geschont hat. Zuweilen wirkt er etwas abgehoben, so als habe er die Hälfte seiner Existenz auf einem anderen Stern verbracht. Rainer Herpel (52) ist in Bad Ems geboren, hat dort sein Abitur gemacht und anschließend unfreiwillig, aber sich dem Elternwunsch fügend, mit dem Studium begonnen. Bei einem IQ von 140 berechtigt er zu den größten Hoffnungen, bis er sich, zur Überraschung aller, die ihn kannten, plötzlich die Ohren zustöpselte und kein einziges Wort mehr sagte, zu niemandem. Aus Protest gegen seinen Vater, einen ehemaligen Angehörigen der SS, der seinem Sohn strikt verbot, Künstler zu werden. Fast 30 lange Jahre hat Rainer Herpel sich danach durchgemagert, wie ein Mönch eingerichtet, die lärmende Welt ebenso gemieden wie seine Mitmenschen und nur noch gemalt, obsessiv, etwa 400 Bilder, die er mit Iwan Smith signierte: ein Rätsel, das nicht gelöst werden wollte. Dabei glaubte er fest an seine Mission. Als der Vater unter der Erde war, fand Rainer Herpel seine Sprache wieder, und nach einigem Wirbel in der Öffentlichkeit um seine Person auch einen Galeristen. Seitdem fühlt sich Rainer Herpel bestätigt und auf dem Weg nach oben. Nicht zuletzt durch den Verkauf einiger Arbeiten und durch geplante Ausstellungen in Düsseldorf, Köln, Antwerpen und New York. Kirsten Glauner und Klaus Antes haben Rainer Herpel in seinem "zweiten Leben" über Wochen begleitet. Er erzählt ausführlich von seiner Schweigezeit und was er heute so denkt über Ruhm und Reichtum, Frauen und Familie, Kochen und die Kunstszene, Leidenschaft. Dabei vermählen sich Wirklichkeitspartikel mit Allmachtsphantasien: die Geschichte eines Doppelgängers seiner selbst
DVD Video, German, 2004